Süddeutsche Zeitung, 09.11.2011

Ochs an Arie

Beim Bühnen-Dinner der Bayerischen Staatsoper sind alle glücklich

 

München – Rosi Mittermaier ist da, Christian Neureuther, Uschi Glas, Elmar Wepper; später trifft man noch Max Tidof beim Rauchen, eine sehr nette Begegnung übrigens. Und vermutlich sind noch viel mehr Prominente da, die man kennen könnte, wenn man mehr in den Fernseher hineinschauen und weniger in die Oper gehen würde. Aber wir sind ja in der Oper, im Nationaltheater, deswegen sind Madama Butterfly, Turandot und Hagen wichtiger. Hagen schaut sehr finster aus, ist aber ganz lieb und lässt sich bereitwillig fotografieren; die lebendigen Opernfiguren flanieren ebenso wie die Gäste in den Prunkräumen der Oper, die einen mit, die anderen gegen den Uhrzeigersinn, so dass sich das Räderwerk der Oper immer tiefer in den Strom der Gäste hineinfrisst. Und falls dieser Hagen ein Ausblick auf Kriegenburgs „Ring“-Inszenierung im nächsten Jahr hier am Haus sein sollte, dann rekonstruiert dieser wohl die Uraufführung.

Die Bayerische Staatsoper braucht Geld für ihr Campus-Programm, und nach diesem Abend kann sie dafür 200 000 Euro ausgeben. So viel brachte das „Bühnen-Dinner“ ein, 400 Gäste zahlen jeweils 500 Euro. Und alle sind glücklich. Die Oper eh, Holger Stromberg, weil er auf der Bühne des Nationaltheaters kochen darf, BMW, weil sie das Essen bezahlen dürfen, die jungen Künstler von Opernstudio und Orchesterakademie, weil sie vor erlauchtem Publikum Musik machen dürfen, das Publikum selbst, weil es einmal auf dieser Bühne sitzen und die gleiche Luft wie Diana Damrau atmen darf. Eigentlich hätte noch Rolando Villazón auftreten sollen, da wäre die Luft wohl noch edler gewesen, doch ihn vertrat Pavol Breslik, was der Erlesenheit des Gesangs keinen Abbruch getan hätte, hätte der nicht unbedingt „O sole mio“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ singen müssen, Musik also, die man im Nationaltheater ebenso selten hört wie das Duett von den schweigenden Lippen aus der „Lustigen Witwe“. Aber egal, für den Opern-Aplomb sorgt Damrau mit „Ah, je veux vivre“ der Gounod-Juliette, sorgen die tollen jungen Sänger, Golda Schultz okkupiert sogar die Königsloge, das Haus zwitschert und funkelt, ein großer Abend mit Stil, der in einem Walzertraum auf der Bühne endet, als wäre man in Wien beim Opernball.

Natürlich kann man fragen, was ein „Ochsenfilet-7-Gewürze“ auf einer Opernbühne verloren hat. Nun, es bringt Geld, und Oper hat ohnehin oft etwas mit Kulinarik zu tun.

Egbert Tholl