Vorbericht in der Ostschweiz am Sonntag, 10.03.2013

Zauberei und Knochenarbeit

Hohe Töne, Herz und Schmerz, tolle Kostüme: Das ist Oper! Bis das Publikum jubelt, braucht es viel Energie. Wir haben bei Proben zur Kinderoper «Eloise» zugeschaut. «Auf die Plätze, Jungs: kommt Schlangen essen!» Brav eilen sie herbei, Moritz, Tommaso und ihre Bühnen-Brüder. Sie reichen die Schüssel mit Ekelessen herum und greifen zu: nach Fledermäusen, Gummispinnen, Käfern und anderem Getier. Na, guten Appetit! Dazu singen die sieben auch noch und blicken aus den Augenwinkeln verstohlen hinüber zu Dirigent Stehane Fromageot. Wie schaut man «gwundrig»? Noch wird auf einer fast leeren Bühne und ohne Orchester geprobt; der Mann am Klavier übernimmt die ganze Musik.Repetitor wird er genannt. Natascha Ursuliak braucht eine laute Stimme. Aber nicht zum Singen. Sie leitet die Proben zu «Eloise»: Das Theater St. Gallen produziert diese Kinderoper, damit nicht nur Leute mit graumelierten Haaren sich für Musiktheater begeistern. Die Regisseurin sagt, wer wo stehen und was er da machen soll. Etwa wie Eloise schauen und sich bewegen muss, dass es ängstlich aussieht oder «gwundrig». Manchmal hätte Natascha Ursuliak gern ein paar Takte mehr Musik für einen Abgang – der Dirigent macht’s möglich. In «Eloise» wird nämlich alles gesungen. Der Engländer Karl Jenkins hat die Oper geschrieben; sie tönt flott, fast wie ein Musical. Die Geschichte folgt dem Märchen «Die wilden Schwäne»: Nur ihre Schwester Eloise kann die verzauberten Brüder erlösen und den Bann der Zauberin Volhek brechen. Leicht gruselig ist das – und witzig. Dem Alter der Mitwirkenden entsprechend, geht es auf den Proben laut und lebhaft zu. Sieben Jahre alt sind die jüngsten Schützlinge von Aliksey Schoettle aus der Theatertanzschule; in den Hauptrollen stehen Schülerinnen und Schüler im Kantialter auf der Bühne. Viele Rollen sind doppelt besetzt; es könnte ja jemand krank werden. Das Orchester kommt von der Kantonsschule am Burggraben. Hand hoch: Absolute Ruhe! Im September haben alle am Casting vorgesungen, Popsongs oder ein Bernerlied, wie Linus, der kleinste der Brüder. Er hat schon bei zwei Musicals mitgewirkt; dennoch war das Lampenfieber gross. Drei Proben pro Woche, das macht ihm Spass.- «Die Mädchen sind nett; manche nerven auch. Aber wir Brüder halten zusammen.» Tommaso Cerpelloni, 12 Jahre  «Nur an das Tanzen muss ich mich noch gewöhnen!», sagt er grinsend. Kommt Natascha Ursuliakeinmal trotz kräftigem Aufruf, lustigem Lachen und Engelsgeduld nicht mehr durch, gibt es ein Zeichen: die Hand hoch – und den Schnabel halten. Dann kann’s weitergehen. Damit alles wie am Schnürchen klappt, wenn es ernst gilt.

BETTINA KUGLER