Die Opernwelt März 2011
Lohnt sich doch!

(…) In der „Giovanna“ ist Giacomo nicht einfach der Vater der Hauptfigur: er ist Gegenspieler, der sie den Engländern und der Kirche ausliefert. Das klingt abstrus, es ist es auch, und Regisseurin Natascha Ursuliak (…) zieht die Konsequenz: Giacomo ist nicht Giovannas Vater, sondern der Beichtvater, ein Mann der Kirche und Inquisitor, dessen Machtstreben die junge Frau gefährdet. Diese Aufwertung der Figur ist die wichtigste Regietat und sie macht Giacomos Handeln nachvollziehbarer. Bühnenbildnerin Claudia Weinhart hat dazu eine eindrucksvolle Kulisse gebaut: eine umgefallene Kathedrale, deren Säulen wie die Beine eines erlegten Tieres in Richtung Zuschauer starren. (…) Sinnbild für die moralische Korruption der Kirche. Am Ende versinkt das Gewölbe, die Säulen ragen funktionslos und sinnlos in den Himmel. Weil die Gegenwart, in der wir inzwischen angekommen sind, keinen Glauben mehr kennt (…)
Udo Badelt