Hamburger Abendblatt, 05.10. 2012

Beelzebübchen verführt bierseligen Dichter.  Zwischen treffender Inszenierung und bemühtem Witz.

Bettenmacher zur „Barcarole“: Zum Offenbach-Ohrwurm bezieht Hausfrau Nicklausse im trauten Duett mit Giulietta die Kissen frisch für das Liebeslager in der Wohnstube. Die venezianische Kurtisane ist nur die suffselige Fantasie einer trinkenden Sofakartoffel. Denn in der Opernloft-Version des populären Offenbach-Opus schwingt Hoffmann statt der Poetenfeder des romantischen Schriftstellers lieber Bierpullen auf dem Ausziehsofa.

Natascha Ursuliak spielt (…) treffend mit Scherz, Satire und (romantischer) Ironie beim „Vierer“ mit dem Teufel unter der Decke. Ihr Konzept, das in Bildern und Melodien opulent schwelgende Künstlerdrama als Szenen einer kaputten Ehe in den Griff zu bekommen, geht auf, ohne das sie dem Original Gewalt antut. Hoffmans Muse Nicklausse wird zur treu sorgenden Gattin eines piefigen Trinkers, der seinen Affären nachtrauert und dem Teufel als willkommenes Opfer erscheint, ihn für ein Abendteuer in echt die Seele abzukaufen.

(…) Diese tragikomische Hoffmann-Version ist originell, musikalisch ordentlich, kurz und entschlossen anders.